Umfrage von VAA und DECHEMA zum Chemie- und Pharmastandort
Arbeitsplätze weiterhin durch schlechte Standortbedingungen gefährdet
Unter den aktuellen industriepolitischen Rahmenbedingungen bleiben die Zukunftsaussichten für die Arbeitsplätze in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland negativ. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Umfrage des VAA und der DECHEMA.
Im Rahmen der Umfrage unter den Fach- und Führungskräften in den Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Branche haben die Mitglieder des VAA und der DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie unter anderem die Bedeutung von insgesamt 17 Standortfaktoren für den Fortbestand der Arbeitsplätze in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie bewertet.
Wie im Vorjahr gaben die Befragten eine insgesamt sehr kritische Rückmeldung. Insbesondere die Höhe der Energiepreise, die fehlende Stabilität der industriepolitischen Rahmenbedingungen und die bürokratischen Hemmnisse wurden als negative Einflussfaktoren für den Fortbestand der Arbeitsplätze identifiziert. Als positive Einflussfaktoren wurden dagegen das Ausbildungsniveau der Fachkräfte, die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Produktionsinfrastruktur sowie die Nähe zu wissenschaftlichen Institutionen und Dienstleistern am Standort Deutschland benannt.
Aus den im Vergleich zum Vorjahr unverändert schlechten Ergebnissen leitet der 2. Vorsitzende des VAA Dr. Christoph Gürtler einen hohen Handlungsdruck für die Politik ab: „Eine der ersten Aufgaben der neu gewählten Bundesregierung muss es sein, die industriepolitischen Rahmenbedingungen zu verbessern und zu stabilisieren. Deutschland steckt in einer Rezession fest und wir können uns keine weitere Verzögerung leisten, wenn wir diese Arbeitsplätze retten wollen.“
Bei der Positionierung der deutschen Chemie- und Pharmabranche im internationalen Wettbewerb sahen die Umfrageteilnehmer nach wie vor Stärken und Schwächen: Die Ausbildung wurde von fast 60 Prozent der Befragten als im Vergleich sehr gut oder eher gut bewertet, die Technologieoffenheit von rund 40 Prozent. Beide Werte haben sich damit gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert. Kritisch gesehen wurden weiterhin Wettbewerbsfaktoren wie die Umsetzung neuer Technologien und die Technikaufgeschlossenheit in der Gesellschaft.
DECHEMA-Geschäftsführer Dr. Andreas Förster ordnet ein: „Wir werden im internationalen Wettbewerb nur bestehen können, wenn wir das starke Netzwerk aus Unternehmen und Wissenschaft in Deutschland als Stärke erkennen und nutzen. Dafür muss die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, wir müssen diese Aufgabe aber auch als Gesellschaft insgesamt angehen.“
Durchgeführt wurde die Umfrage zum Chemie- und Pharmastandort Deutschland im Dezember 2024 unter knapp 1.500 Mitgliedern des VAA und der DECHEMA, die als Fach- und Führungskräfte in Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Chemie- und Pharmabranche tätig sind.
European Chemistry Partnering 2025
Event für Ideen, Innovation und offene Gespräche




Auch in diesem Jahr hat das European Chemistry Partnering (ECP) wieder in Frankfurt am Main stattgefunden. Am 12. Februar kamen circa 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im DECHEMA-Haus zusammen, um über Innovationen, Zukunft und Gegenwart in Chemie, Pharma und Biotechnologie zu sprechen. Die Onlineveranstaltungen und Partneringgespräche am 25. und 26. Februar wurden ebenfalls von zahlreichen Stakeholdern aus der Branche wahrgenommen.
2025 bestand das ECP-Programm aus Firmenvorträgen, Diskussionsrunden in verschiedenen Größen sowie kurzen Pitches von Start-ups und Workshops. Die Themen reichten von klassischen Skalierungstechnologien über Nachhaltigkeit bishin zu Rahmenbedingungen für die Industrie. Beispielsweise wurde über die infrastrukturelle Entwicklung der Industrieparks in Bitterfeld-Wolfen und Marburg gesprochen, genauso sorgte ein Vortrag über die Chemie der Aromen im Bereich Whiskyherstellung für Gesprächsstoff. Eröffnet wurde das neunte European Chemistry Partnering mit hochkarätigen Sprechern und Sprecherinnen aus etablierten und aufstrebenden Unternehmen wie Brenntag, Röhm und Biospring.
Im Vordergrund der Veranstaltung standen die Gespräche – die „Partnerings“, nicht nur während des Events selbst, sondern auch bei der Vorabendveranstaltung „Orange Tie“. „Auf diese Stimmung bin ich stolz“, freut sich ECP-Initiator und VAA-Mitglied Dr. Holger Bengs. „Niemand fällt aus dem Raster, alle sind offen für Gespräche.“
Vom Start-up bis zum Global Player
Bengs legt großen Wert darauf, dass dieses Event ein Ort für alle und für Innovationen ist: „Zum ECP kommen Menschen, die etwas bewegen wollen: Global Player, Mittelstand und Wachstumsunternehmen, Start-ups sowie Investoren und Stakeholder der Industrie.“ Das zeigte sich in allen Veranstaltungen, die teilweise parallel abliefen. Innovationen sollten keine „Luftschlösser“, sondern realistisch und damit auch finanzierbar sein. Dieser Tenor begleitete das gesamte Event. Dies spiegelte sich unter anderem auch in den Workshops wider, die unter dem Motto „Widerstandsfähigkeit der chemischen Industrie in unsicheren Zeiten“ liefen.
Die begleitende Ausstellung zum ECP wurde von den Anwesenden ebenfalls zum Knüpfen von Kontakten genutzt. Das Partnering und der Austausch standen bei allen angebotenen Veranstaltungen im Vordergrund.
Networking gewinnt weiter an Bedeutung
In diesem Jahr kam das Young-Professional-Programm besonders gut an: Teilnehmende Unternehmen sponserten vergünstigte Tickets für junge Menschen im Berufsleben, die kein eigenes Budget haben, für die aber der Aufbau von Netzwerken sehr wichtig ist. „Insbesondere die Vereinigung für Chemie und Wirtschaft in der GDCh hat sich hier sehr engagiert“, berichtet Holger Bengs. Das ECP bot den jungen Fachkräften eine hervorragende Gelegenheit, sich mit führenden Expertinnen und Experten aus der Chemie- und Pharmabranche und den angrenzenden Industrien zu vernetzen. So konnte die junge Generation nicht nur ihr Fachwissen vertiefen, sondern auch Einblicke in die neuesten Entwicklungen der Branchen gewinnen.
Heutzutage bräuchten die Menschen, die neu ins Berufsleben starten, viel mehr Netzwerkkontakte als früher: „Netzwerken ist unsere neue Lebensversicherung, gerade beim Auffinden von Lösungen für die großen Herausforderungen Klima, Ernährung, Mobilität, Bauen, Energie, Produktion, Gesundheit und so weiter“, erklärt Bengs. Das ECP ist also nicht nur ein Ort und eine Möglichkeit, um Innovationen und Fortschritte zu präsentieren, sondern vor allem, um Zusammenarbeit und Wachstum zu fördern - und das generationen- und branchenübergreifend.
Online-Speed-Dating Ende Februar
Im Onlineteil des ECPs Ende Februar stand das digitale Business-Speed-Dating im Fokus. Das Format hatte sich in den Jahren der Coronapandemie etabliert und gehört seitdem zum ECP-Repertoire. Partneringgespräche fanden digital statt und sorgten für einen Austausch zwischen Start-ups, Industrie und internationalen Investoren aus der Chemie-, Pharma- und Biotechbranche.
Stimmung wie vor der Pandemie
Der als Geschäftsführer der BCNP Consultants GmbH in der Branche seit vielen Jahren bestens vernetzte Holger Bengs ist in jeder Hinsicht mit dem diesjährigen ECP zufrieden: „Ich bin sehr dankbar für das sehr gelungene neunte ECP, weil unsere Teilnehmer rundherum zufrieden waren: Wir hatten eine Stimmung wie vor der Pandemie.“ Auch diesmal zeigte sich die Veranstaltung als ein Forum für kluge Köpfe und wichtige Akteure aus Chemie, Pharma und Biotech.
Die Reaktionen der teilnehmenden Firmen in den sozialen Netzwerken bestätigen Bengs‘ Einschätzung. Viele Teilnehmende sagten schon vor Ort: „Wenn es das Event nicht schon gäbe, müsste es jemand erfinden.“ Sie bedankten sich außerdem für die Möglichkeiten, ihre Ideen, Firmen und Handeln darzustellen, und betonten, wie wichtig und hilfreich das Partneringevent auf allen Ebenen sei.
Im nächsten Jahr wird das zehnjährige Jubiläumsevent stattfinden. Termin und Ort für das Networkingtreffen wurden bereits bekanntgegeben: der 4. Februar 2026 in Frankfurt am Main. Wie in den Vorjahren wird es zusätzlich eine Onlineveranstaltung am 18. und 19. Februar geben.