Erik Lehmann hat das Wort

Vogelgrippe gewinnt den Krieg

Erik Lehmann hat das Wort

Vogelgrippe gewinnt den Krieg

Das war die Nachricht, die aufhorchen ließ: Trump hat keine Eier! Und er hat es selbst zugegeben und deshalb, man höre und staune, zuerst Dänemark um Hilfe gebeten. Wow! Der Mann hat also doch Eier! Zuerst mit der Annexion von Grönland drohen und dann um die millionenfache Herausgabe eines mangelnden Tierprodukts bitten. Dabei sind in Europa ganz andere Eiproduzenten im Ranking weit vorn: Russland oder Deutschland – und auf Platz drei die Ukraine. Ups! Aber wenn man die Situation nüchtern durchs Eiklar betrachtet, ist Trump auf einem guten Weg: Er behandelt Putin wie ein rohes Ei, verspricht ihm in ellenlangen Telefonaten das Gelbe vom Ei und versteht es ausgezeichnet, bezüglich seiner eigenen Vorgaben herumzueiern. Also in Bezug auf Russland könnte das wahrscheinlich etwas werden. Um allerdings Eier von der Ukraine mit ruhigem Gewissen abzukaufen, müsste sich Selenskyj erst einmal ordentlich einkleiden. Mit Schlips und Anzug – also endlich wie aus dem Ei gepellt aussehen, bevor er Trump wieder unter die Augen tritt. Aber da das wohl eher nix wird, bleibt dann doch nur Deutschland – und wir liefern ja neuerdings grundsätzlich alles überallhin. Übrigens: Der weltweit mit großem Abstand erfolgreichste Produzent von Hühnereiern ist China. Zuletzt brachte man es auf knapp über 29 Millionen Tonnen Eier. Vielleicht fragt Trump dort einmal an? Immerhin kam die Vogelgrippe, welche die jetzige Eierkrise schließlich ausgelöst hat, ebenso von dort. 

Und weil unzählige Legehennen mit Verdacht auf Schnupfen in den USA gekeult wurden, kostet das Hühnerei in den Vereinigten Staaten nun 76 Cent, während wir bisher um die 27 Cent pro Ei bezahlen. Ärgerlich für die Amerikaner, so kurz vor Ostern im Eiermangel zu stecken. Die dortigen Zollbehörden haben schon festgestellt, dass über die kanadische und mexikanische Grenze vermehrt Geflügelprodukte geschmuggelt werden – und zwar in weit höherem Ausmaß als die Droge Fentanyl. Nun bleibt abzuwarten, ob Trump demnächst erste kanadische und mexikanische Farmerkartelle hochgehen lässt und aufgrund der Eierkrise die Sorben zur Zwangsumsiedlung aus der Lausitz in die USA verpflichtet. Kaum zu glauben, dass wegen Überproduktion in den 60er Jahren in der DDR die Losung „Nimm ein Ei mehr!“ galt. Manch einer hatte diese Eier wohl bis in den Mai 1991 aufbewahrt, um sie in Halle, bei hitziger Stimmung, Bundeskanzler Helmut Kohl an den Kopf zu werfen. Eine durchaus kreative Zubereitungsform des Okonomiyaki, der sogenannten „Japanischen Pizza“, aus Wasser, Mehl, Dashi, Kohl und Ei.

Mittlerweile wirkt das Hallenser Scharmützel allerdings recht ulkig, wenn man bedenkt, in welcher Aufrüstungsspirale wir uns heutzutage befinden. Bis 2030 will die Europäische Kommission unter der Führung von Ursula von der Leyen, früher liebevoll Flinten-Uschi genannt, ihrem Spitznamen alle Ehre machen und mit 800 Milliarden Euro aufrüsten. So steht‘s im Weißbuch der Kommission. „Weiß“ mit „ß“, leider nicht mit „s“ – so viel Spitzfindigkeit sei mir als ewig gestriger Pazifist („Pfui!“) erlaubt. Von der Leyen wird mit den Worten „Die Geschichte wird uns nicht verzeihen“ zitiert und schwört Europa auf einen möglichen Großkrieg ein. Bloß gut, dass auch der Fritze Merz da mitmacht. Nach dem Motto: „Haste mal ´ne Billion?“ – wirkt im Nachhinein die zehnmal kleinere „Zeitenwende“ von Olaf Scholz wie ein Mauerfall für Arme. Zugegeben, bei dem nach oben hin offenen Eine-Billion-Schuldenpaket ist auch Infrastruktur und Umweltschutz mit dabei. Aber klar: Der Aufmarschplatz Deutschland sollte 2030 natürlich über funktionierende Brücken und Autobahnen verfügen, über welche die Amerikaner mit ihren Panzern dann rollen können. Und ein paar smarte Windräder, die sich automatisch abstellen, wenn eine Drohne gen Osten startet, sind auch nicht verkehrt. 

Apropos Flugobjekte: Wie die Tagesschau berichtete, setzt man in der französischen Armee seit dem Ersten Weltkrieg erfolgreich auf Brieftauben zur Nachrichtenübermittlung. Falls Elon Musk in naher Zukunft doch seine Satteliten abstellt, weil wir Europäer nicht mehr genug Teslas kaufen oder die Chinesen mit Huawei doch noch die Frequenzmacht übernehmen, dann könnte das von Vorteil sein. Denn sogenannte Mittelstreckentauben verfügen über eine Reichweite von bis zu 600 Kilometer und können mit einer Spitzengeschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde aufwarten. Respekt! Nur China hat wieder mit der Vogelgrippe längst vorgesorgt und ein erfolgreiches Gegenmittel zur Hand. So schließt sich der ewige Kreis. Friede sei mit Euch!

Mit seinen verschiedenen Kabarettprogrammen reist der Dresdner Kabarettist Erik Lehmann quer durch Deutschland und hat auch schon diverse Preise gewonnen. Unter dem Pseudonym Uwe Wallisch vertreibt der passionierte Hobbyimker zudem seinen eigenen Honig. Auf der Website www.knabarett.de ist Lehmann jederzeit käuflich und bestellbar. Honig gibt es auf uwes-landhonig.de.