Verwertung von Kunststoffen

Neuer Schwung für die Kreislaufwirtschaft

Von Joachim Heinz und Simone Leuschner

Im Kampf gegen den Plastikmüll könnte dieses Jahr ein entscheidendes werden. Vom 5. bis zum 14. August wird die Staatengemeinschaft in Genf in die nächste und möglicherweise entscheidende Verhandlungsrunde zu einem UN-Abkommen gegen Kunststoffabfälle einsteigen. Nicht nur in Politik und Gesellschaft ist die Erkenntnis gereift, dass ein Gegensteuern dringend notwendig ist. Auch Unternehmen suchen längst nach Lösungen, die den Verbrauch an Plastik reduzieren oder die Recyclingquote etwa bei Verpackungen deutlich erhöhen.

Bei Henkel in Düsseldorf haben sie vor einiger Zeit ein paar Zahlen zusammengetragen: 37,41 Kilogramm Plastikabfall sind im Jahr 2020 pro Einwohner in Deutschland entstanden, nur neun Prozent des Plastikabfalls werden weltweit recycelt, zugleich sind Kunststoffe für 3,4 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Die Folgen lassen sich beispielsweise an fernen Traumstränden im indonesischen Bali besichtigen, wo immer mehr Plastik angeschwemmt wird. Sie zeigen sich aber auch direkt vor der Haustür bei einem Spaziergang im Wald, wo im Unterholz plötzlich Müllbeutel oder Verpackungen zwischen Laub und Ästen zum Vorschein kommen.

Vögel, die Plastikteile verschlucken, verenden qualvoll. Fische verfangen sich in Treibgut aus Plastik. Das alles ist nur der auf den ersten Blick sichtbare Teil des Problems. Denn Plastik braucht Hunderte, mitunter Tausende Jahre, bis es sich vollständig zersetzt hat. Bis dahin zerfällt es in immer kleinere Partikel.

Dieses Mikroplastik konnten Wissenschaftler 2022 erstmals auch im Schnee der Antarktis nachweisen. Kein Wunder, dass die zwischen einem Mikrometer und fünf Millimeter kleinen Überbleibsel auch in den menschlichen Körper gelangen.

Laut Umweltbundesamt lassen sich mögliche Risiken für die Gesundheit mangels gesicherter Erkenntnisse noch nicht abschätzen. Allerdings seien „viele verschiedene mögliche Wirkmechanismen“ denkbar, heißt es. So würden zum Beispiel „toxische, entzündliche, infektiöse, hormonelle und DNA-schädigende Wirkungen“ in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben.

Es ist also an der Zeit, zu handeln – und viele Unternehmen tun das bereits. Henkel arbeitet laut Auskunft einer Sprecherin „konsequent an nachhaltigen Verpackungslösungen für seine Konsumgüterprodukte, um die Kreislaufwirtschaft voranzutreiben“. Hierfür will das Unternehmen die Menge an neuen Kunststoffen aus fossilen Quellen stetig reduzieren. Dieses Ziel soll auf zwei Wegen erreicht werden, „indem wir den Anteil an recyceltem Kunststoff erhöhen und das Verpackungsvolumen insgesamt reduzieren“.

Bis Ende 2025 plant Henkel, den Rezyklatanteil in den eigenen Kunststoffverpackungen auf 30 Prozent zu erhöhen. Laut dem aktuellen, Mitte März 2025 vorgestellten Nachhaltigkeitsbericht lag der Anteil in Konsumgüterverpackungen im vergangenen Jahr bei 25 Prozent. In Ländern mit guter Recyclinginfrastruktur liege die Quote bereits jetzt deutlich höher. „Allein im letzten Jahr konnten wir den Rezyklat-Einsatz in unseren Flüssigwaschmittel- und Haarpflegeverpackungen in Europa auf mindestens 50 Prozent erhöhen.“ Dazu gehören bekannte Marken wie Persil, Weißer Riese, Spee und Gliss. „Zudem arbeiten wir daran, all unsere Konsumgüterverpackungen so zu gestalten, dass sie wiederverwertet oder recycelt werden können.“

So sollen spezielle Klebstoffe bei mehrschichtigen, flexiblen Verpackungen zusammen mit einem speziellen Verfahren die Recyclingfähigkeit von Verpackungen erhöhen. Die verschiedenen Schichten etwa von Lebensmittelverpackungen lassen sich laut Henkel auf diese Weise nach Gebrauch leichter voneinander lösen. Polyethylen (PE), Aluminium und Polyethylenterphthalat (PET) wandern zurück in die Wertschöpfungskette.

Das alles hält auch Laura Griestop vom WWF für gute Entwicklungen. Grundsätzlich gibt die Expertin, die auch Unternehmen zu den Themen Verpackungen und Kreislaufwirtschaft berät, zu bedenken: Echte Kreislaufwirtschaft gehe über das Recycling hinaus. Vermeiden von Müll stehe an erster Stelle. Henkel versucht, auf diese Herausforderungen mit kleineren und umweltfreundlicheren Verpackungslösungen zu antworten – die mit möglichst wenig Plastik auskommen.

Ein Beispiel: die „KeelClip-Technologie“, entwickelt von Graphic Packaging International (GPI) unter Zuhilfenahme von Klebstofftechnologien von Henkel Adhesive Technologies. Klingt zunächst arg abstrakt, hat aber einen sehr konkreten Nutzen in der „Mehrfachverpackung von Getränkedosen“, den Endverbraucherinnen und -verbrauchern besser als „Sixpack“ bekannt. „Anders als bei Plastikfolien oder Kunststoffringen, die sonst Getränkedosen zusammenhalten, übernimmt beim KeelClip diese Aufgabe recycelter und recyclebarer Karton – unterstützt durch unsere Klebstofflösungen“, heißt es auf der Henkel-Website.

Weniger Plastik auf der Palette

Was im Kleinen geht, ist auch im Großen möglich. Im Transportwesen werden Waren häufig in großen Papierkartons auf Holzpaletten gestapelt. Umwickelt wird das Ganze dann gern mit Kunststoff, was den sicheren Transport vereinfachen soll. Die Klebstoffspezialisten bei Henkel haben den Angaben des Unternehmens zufolge einen Weg gefunden, „um diesen Folienverbrauch in der Palettierung um bis zu 90 Prozent zu reduzieren“. Mit einer speziellen Klebstofflösung namens „Technomelt Supra PS Hotmelts“ lassen sich die Kartons aneinander und auf der Palette befestigen. „Pro Karton ist dabei nur eine Menge von 0,15 Gramm notwendig und der Klebstoff bleibt beständig in selbst sehr warmen oder kalten Zuständen – ideal für Temperaturunterschiede in Lieferketten.“

Überhaupt: die Klebstoffe. Hier steckt, folgt man den Onlinedarstellungen von Henkel, eine Menge Potenzial. Demnach erfüllt der Schmelzklebstoff „Technomelt Supra Eco“ nicht nur die strikten Verpackungsrichtlinien für Lebensmittel, sondern hat auch einen deutlich gesenkten CO2-Fußabdruck. Die Klebstofflösungen der Reihe bestehen laut Unternehmensangaben aus bis zu 98 Prozent Biomasse. Die Rohstoffbeschaffung können zudem vollständig rückverfolgt werden. Letzteres ist aus Sicht von Umweltschützern ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung von Nachhaltigkeit bei Innovationen.

WWF-Expertin Laura Griestop rät den Konsumenten dazu, genau hinzuschauen – und Unternehmen, sich zu fragen, welche Stoffe und Materialien es wirklich braucht und welche unter welchen Umständen verzichtbar sind. Manchmal ist das gar nicht so einfach, wie ein weiteres, von Henkel entwickeltes Verfahren zeigt. Es besteht darin, Papierprodukten zusätzliche Funktionen wie „Barriereeigenschaften, Wärmeisolierung und Widerstandfähigkeit gegen mechanische Einwirkungen“ zu verleihen.

Papierverpackungen seien dadurch besser geschützt vor dem Eindringen von Wasser und Fett, so das Unternehmen. Durch die verbesserten thermischen Isoliereigenschaften eigne sich die EPIX-Technologie zudem in der Herstellung von Getränkebechern: „Doppelwandige Becher bieten dank EPIX eine höhere Temperaturbeständigkeit sowohl für heiße als auch kalte Getränke.“

Laura Griestop findet, dass der schnelle Kaffee im Einwegbecher längst nicht mehr sein muss. In der Gastronomie gelte die Mehrwegangebotspflicht. Die Kunden könnten auf Mehrwegverpackungen pochen – und der Kaffeewagen um die Ecke halte meist auch ein entsprechendes Angebot vor. Kritisch sieht die WWF-Referentin auch den Trend, „dass Unternehmen immer noch viel in Kleinstverpackungen investieren, weil sie diese Produkte dann zu vermeintlich günstigeren Preisen auf den Markt bringen können“. Das werde vor allem in den Ländern zum Problem, „die keine Infrastruktur für das Abfallmanagement haben“.

Gesprächsbedarf in Genf

Es bleibt also noch Luft nach oben. Und es gibt jede Menge Gesprächsbedarf im Vorfeld der nächsten und möglicherweise entscheidenden Verhandlungsrunde zu der geplanten Plastikkonvention, dem „Global Plastics Treaty“, die vom 5. bis 14. August in Genf stattfinden soll. Der Prozess wurde erst 2022 gestartet und ist nach Einschätzung von Laura Griestop eines der ambitioniertesten Vertragsvorhaben der UN überhaupt. Käme der Vertrag tatsächlich zustande, „wäre das ein Riesenhebel und ein Brückenschlag zur Kreislaufwirtschaft“.

Es geht um nicht weniger als ein international gültiges Regelwerk, das die Umweltverschmutzung durch Kunststoffe eindämmen soll. Wie umfassend und verbindlich dieses Regelwerk ausfällt, hängt nicht zuletzt von den großen Industrienationen ab. Eine wichtige Rolle werden naturgemäß die USA spielen, deren Präsident Donald Trump nicht gerade als Umweltschützer oder Freund der multilateralen Zusammenarbeit bekannt ist. Einen echten Verhandlungskrimi erwartet deswegen WWF-Expertin Griestop.

Das Interesse an einer Einigung wächst unterdessen. Bereits kurz nach dem Startschuss für die Verhandlungen zur Plastikkonvention fanden sich Unternehmen, Investoren und Nichtregierungsorganisationen zu einer „Business Coalition for a Global Plastics Treaty“ zusammen. Sie dringen auf einen „Systemwechsel zur Beendigung der Plastikverschmutzung“.

Das liege durchaus im Interesse der beteiligten Unternehmen, erläutert Griestop. Global business needs global rules – „die weltweite Wirtschaft braucht verbindliche Regeln“, laute die Devise. Ein möglichst robustes internationales Abkommen, so die Hoffnung, könne den derzeitigen Flickenteppich an Regelungen ablösen, was wiederum die Wirtschaftlichkeit in der Produktion erhöhe.

Inzwischen gehören der Business Coalition mehr als 275 Organisationen und Unternehmen an. Darunter sind große Player aus dem Ausland wie KraftHeinz, Nestlé, Coca-Cola und Ikea. Auch deutsche Firmen zählen zu den Mitgliedern, zum Beispiel Beiersdorf, Aldi und Henkel. Ähnliche Ziele wie die Koalition verfolgen die „New Plastics Economy-Initiative“ der Ellen MacArthur Foundation oder die „Plastic Waste Coalition of Action“. Auch in diesen beiden Zusammenschlüssen ist Henkel vertreten.

„Nachhaltige Verpackungslösungen sind der beste Weg zu einer effizienten und kostensparenden Kreislaufwirtschaft. Ein innovatives Design ist essenziell, wenn es darum geht, primäre Rohstoffe möglichst durch Sekundärrohstoffe oder erneuerbare Alternativen zu ersetzen“, bekräftigt das Unternehmen auf der eigenen Homepage. „Unser Ziel ist, dass bis 2025 100 Prozent der Verpackungen von Henkel alle notwendigen Eigenschaften aufweisen, um in einen Recyclingprozess eingebracht zu werden oder wiederverwendbar zu sein.“

Wie weit diese Vorgabe umgesetzt wird, lässt sich im nächsten Nachhaltigkeitsbericht von Henkel nachlesen. Es sieht ganz danach aus, als könnte 2025 tatsächlich ein entscheidendes Jahr für den Kampf gegen den Plastikmüll und das Engagement für eine effizientere Kreislaufwirtschaft werden. Für Henkel – aber auch auf globaler Ebene.

Interview mit Laura Griestop: Kreislaufwirtschaft ist kein Freifahrtschein

Interview mit Laura Griestop: Kreislaufwirtschaft ist kein Freifahrtschein

Kreislaufwirtschaft ist in aller Munde. Aber was genau verbirgt sich dahinter – und welche Herausforderungen stellen sich für die Wirtschaft? Es antwortet Laura Griestop, Expertin für Verpackungen und Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland, die zu diesen Themen auch Unternehmen berät.

VAA Magazin: Was heißt eigentlich Kreislaufwirtschaft?

Griestop: Kreislaufwirtschaft ist weit mehr als nur Recycling. Es wird immer noch zu oft versucht, aus der Mülltonne heraus zu definieren, was Kreislaufwirtschaft ist. Aber der Kreis beginnt sich nicht erst zu drehen bei den Abfällen.

Sondern?

Es beginnt bei der Rohstofferzeugung, geht über das Produktdesign und die Frage, wie ich beispielsweise die Langlebigkeit eines Produkts erhöhen kann, bis hin zur Rückführung der Materialien.

Womit wir beim Recycling wären.

Schon am Anfang des ganzen Prozesses muss ich darauf achten, dass die Materialien gut zueinander passen, dass sie sich auseinandernehmen lassen und dass sie tatsächlich hochwertig recycelbar sind.

Was heißt das für die Unternehmen konkret?

Materialien müssen in der Wirtschaft längstmöglich erhalten bleiben. Abfälle und negative Auswirkungen auf die Umwelt sind so weit wie möglich zu vermeiden. Und ganz wichtig: Kreislaufwirtschaft muss innerhalb der planetaren Grenzen stattfinden. Sie ist also kein Freifahrtschein für unendliches Wachstum jenseits dieser natürlichen Grenzen.

Wie soll das alles funktionieren?

Zum Beispiel durch Mehrfachnutzung anstelle von Einwegverpackungen oder -materialien und durch eine Verringerung der Rohstoffströme. Wir sollten uns also jedes Mal fragen: Brauchen wir dieses Produkt, die Verpackung wirklich? Ein weiterer Punkt ist, die Ressourcenflüsse wo immer möglich zu verlangsamen, indem wir die Produktnutzung intensivieren und auch in die Instandhaltung von Produkten investieren. Schließlich: Brauchen wir wirklich mehrere hundert verschiedene Kunststoffsorten oder können wir uns auf weniger beschränken?

Ganz ohne werden wir wohl nicht auskommen.

Wir werden immer Kunststoffe haben – wir müssen nur weg von der Einwegnutzung, wo immer es möglich ist. Klar ist auch, dass so etwas etwa im medizinischen Bereich nur eingeschränkt möglich ist.

Viele Unternehmen weisen inzwischen auf ihr Engagement in Sachen Kreislaufwirtschaft hin – wie bewertet das der WWF?

Wir alle, Unternehmen wie Verbraucher, stehen in der Verantwortung. Aus unserer Sicht nicht hilfreich ist, wenn sich Unternehmen eine kleine Produktgruppe herausgreifen, diese optimieren und das dann breit kommunizieren. Das würde ich als Greenwashing bezeichnen. Zielführender wäre eine Wesentlichkeitsanalyse. Was sind meine Produktgruppen, wo hakt es da, wo habe ich einen hohen Materialverbrauch, wo klemmt es in Sachen Kreislaufwirtschaft? Und dann muss ich mir die herauspicken, die am problematischsten sind und daran wirklich etwas ändern.

Wo sehen Sie allgemein Luft nach oben?

Kritisch ist etwa der Trend, dass Unternehmen immer noch viel in Kleinstverpackungen investieren, weil sie diese Produkte dann zu vermeintlich günstigeren Preisen auf den Markt bringen können. Schwierig finde ich das vor allem, wenn so etwa in Ländern passiert, die keine Infrastruktur für das Abfallmanagement haben.

Abfälle vermeiden – fünf Tipps für den Alltag

„Think big!“
Nicht verderbliche Ware wie Shampoo oder Spülmittel lieber in größeren Vorratspacks kaufen. Wirkt sich oft nicht nur positiv aufs eigene Portemonnaie aus, sondern bessert definitiv auch die persönliche Müllbilanz auf.

Packungsbeilagen lesen
Was ist in der Kosmetik enthalten? Trägt das neu gekaufte Möbelstück das FSC-Siegel für nachhaltigere Waldwirtschaft? Es lohnt immer, das Kleingedruckte mit Blick auf Inhaltsstoffe und Zertifikate zu lesen.

Einfach weg war gestern
Jute-, Plastik- oder Papiertüten mehrfach nutzen, anstatt sie nach dem ersten Gebrauch in den Müll zu werfen – ein kleiner Schritt zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag.

„Coffee-to-go“ geht auch anders
Der schnelle Kaffee im Einwegbecher muss nicht sein. In der Gastronomie gilt die Mehrwegangebotspflicht. Heißt: Die Kunden können auf Mehrwegverpackungen pochen – und der Kaffeewagen um die Ecke hält meist auch ein entsprechendes Angebot vor.

Weiß schlägt schwarz
Weiße oder graue Kunststoffverpackungen sind von Scannern in Recyclinganlagen besser zu erkennen als schwarze. Auch Rezyklat lässt sich aus helleren Kunststoffen leichter herstellen. Wer die Wahl zwischen zwei ähnlichen Produkten hat, kann beim Griff ins Regal auch auf die Farbe der Verpackung achten.

Zahlen und Fakten

Produzenten verpackter Produkte
sind in Deutschland verantwortlich für die umweltgerechte Entsorgung der Verpackungen nach deren Gebrauch durch die Verbraucherinnen und Verbraucher, beschreibt das duale System Der Grüne Punkt die gesetzlichen Vorgaben auf seiner Website. Die Produkt- oder Produzentenverantwortung gilt in der gesamten Europäischen Union. Hierzulande regelt das Verpackungsgesetz (VerpackG), wie das System im Einzelnen funktioniert. Das Ziel ist, die Auswirkungen von Verpackungen auf die Umwelt zu vermeiden oder zu verringern. Verpackungsabfälle sollen möglichst gar nicht erst entstehen oder wiederverwendet oder möglichst hochwertig verwertet werden. Damit soll ein fairer Wettbewerb gewährleistet werden, sowohl der verpflichteten Hersteller als auch der Systeme. Für Produzenten und Systembetreiber gelten umfassende Registrierungs- und Meldepflichten.

Als eines von neun
dualen Systemenin Deutschland ist Der Grüne Punkt ein zentrales Element der Kreislaufwirtschaft. Es stellt sicher, dass Verkaufsverpackungen, die in Haushalten anfallen, getrennt gesammelt, sortiert und recycelt werden. Hersteller und Händler beteiligen sich finanziell am System, indem sie für die Entsorgung und Wiederverwertung ihrer Verpackungen zahlen, so beschreibt es das Unternehmen auf Anfrage. Im Mai 2014 wurde mit dem cyclos-HTP (CHI) ein neues Partnerinstitut zur Prüfung und Testierung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen und Waren sowie zur Forschung und Entwicklung in diesem Gebiet gegründet. Das entstandene Label „Recyclingfähig/Recyclable“ wird nur für Verpackungen vergeben, deren Recyclingfähigkeit mindestens 90 Prozent beträgt.

Gut zwei Millionen
Tonnen CO2-Äquivalente konnte Der Grüne Punkt allein in den Jahren 2017 und 2018 durch Recycling und Verwertung vermeiden, so beschreibt es das Unternehmen auf seiner Website. Ergänzend dazu erklärt Corporate Communications Managerin Marlene Staiger: „In den meisten Fällen spart Recycling Energie im Vergleich zur Neuproduktion von Materialien. Wenn Kunststoffe richtig getrennt und sortiert werden, können sie zu hochwertigen Produkten weiterverarbeitet werden.“ Rezyklatgranulate, die aus gebrauchten Kunststoffen hergestellt werden, ersetzen Neugranulate aus Erdöl. Dadurch werde Energie eingespart und die CO₂-Emissionen reduziert. Ein wachsender Fokus liege zudem auf „Design for Recycling“, also der Entwicklung von Verpackungen, die sich besonders gut recyceln lassen. „So können recycelte Kunststoffe für hochwertige Anwendungen genutzt werden, ohne zwangsläufig in minderwertige Produkte umgewandelt zu werden.“

97,6 Prozent
aller PET-Flaschen in Deutschland im Jahr 2023 sind recycelt worden. Damit ist Deutschland weltweit führend. Der Anteil von recyceltem Plastik (R-PET) wurde sogar auf 52 Prozent ausgebaut, so lauten Ergebnisse einer Studie im Auftrag der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Reines Polyethylenterephthalat (PET) lasse sich vollständig recyceln, wodurch die Umwelt im Vergleich zu anderen Kunststoffen weniger belastet werde. Als thermo­plastischer Kunststoff ist PET unter Hitze fast beliebig formbar. Bekannt ist PET vor allem als Material von Ein- und Mehrwegflaschen für Getränke: Große PET-Einwegflaschen werden meist direkt beim Getränkeabfüller aus PET-Preforms geblasen. Diese bestehen zu über 52 Prozent aus PET-Rezyklat, einem recyceltem PET-Material.

17 Milliarden
PET-Flaschen, insgesamtetwa 408.000 Tonnenschwer, sind im Jahr 2023 in Deutschland verbraucht worden, so die Studie der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Der Materialverbrauch zur Herstellung der Flaschen ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Dies sei laut IK ein wichtiger Schritt für die Umwelt: Im Vergleich zu 2021 sank der Materialverbrauch um 8,5 Prozent und damit 38.000 Tonnen. Dank technischer Innovationen gelänge es, Flaschen immer leichter werden zu lassen, ohne dabei an Stabilität oder Qualität zu verlieren.

400.000 PET-Flaschen
im gepressten Zustand kann ein LKW zu einem Recyclinghof transportieren – für die gleiche Menge an Glasflaschen wären 26 LKW nötig. Das leichte PET spart beim Transport sowohl CO2 als auch Treibstoff ein, verbraucht in der Herstellung weniger Energie und gilt im Vergleich zu alternativen Verpackungsmaterialien oftmals als klimafreundlichste Lösung, vermerkt die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen in ihrem Newsroom.

Seit über 100 Jahren
investiert die Kunststoffindustrie Zeit und Wissen in Forschung und Entwicklung. Innovationen haben in vielen Bereichen zu einmaligen Fortschritten in Sachen Nachhaltigkeit geführt: von recyclingfähigen Verpackungen über energiesparende Under-the-Hood-Autoanwendungen bis hin zur Schaffung von Nullemissionshäusern, so beschreibt es der Verband der Kunststofferzeuger in Deutschland Plastics Europe Deutschland online. Für mehr als 50 Mitgliedsunternehmen vertritt der Verband politische und wirtschaftliche Interessen. Der Fachverband ist Teil des europäischen Netzwerks mit mehreren großen Wirtschaftszentren. Die Europaorganisation mit rund 100 Mitgliedsunternehmen steht für mehr als 70 Prozent aller in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie im Vereinigten Königreich, in Norwegen und in der Schweiz produzierten Kunststoffe. Derzeit arbeiten in der gesamten Kunststoffindustrie EU-weit nahezu 1,5 Millionen Menschen in etwa 52.000 Unternehmen.